Die Sägemühle Wegst von 1727

Obere Reihe (v.l. nach r.): Marlene und Kurt Wegst, Manuel Palfy, Katrin Rudau
Untere Reihe: Stefanie Mückl, Jonathan Schmidt, Lukas Wunderlich, Lisa Lobisch, Dominic Meyer, Florian Reindl

Die Jugend der Schützengilde Reutlingen e.V. 1290 ging für einen Abend statt ins Training, in ein Museum. Dieser Besuch wurde von allen begeistert wahrgenommen. Vor allem, da die Führung durch das Ehepaar Wegst, ebenfalls längjährige Mitglieder der Schützengilde, abgehalten wurde.

Zuerst erzählte Kurt Wegst den Jugendlichen und ihrem Trainer, Albert Lorenz, über die historischen Hintergründe der Sägemühle. Bei der anschließenden Führung durch Sägeraum, Schärfraum und den Transmissionen unter der Mühle, wurden Fragen unermüdlich beantwortet.

Vollgatter moderner Art                                   Hochgatter mit nur einem Sägeblatt


Zwei Sägegatter stehen in der Mühle. Ein Hochgatter mit nur einem Sägeblatt und ein Vollgatter moderner Art. Im Schärfraum gibt es den manuell zu bedienenden Schränkapparat, sowie zwei Schärfautomaten für die Sägeblätter.

Die alte Reutlinger Sägemühle ist die letzte von 21 Mühlen und Mahlwerken in Reutlingen. Aus diesem Grund kommt ihr im Rahmen von Geschichte und Kultur in Reutlingen eine ganz besondere Bedeutung zu. Nach dem großen Stadtbrand in Reutlingen, 1726, wurde die Sägemühle am Echazufer gebaut und 1727 fertig gestellt. Sie war damals von enormer Bedeutung für den Wiederaufbau der Stadt. Der Platz an der Echaz war günstig, denn gleich daneben war früher der städtische Zimmerplatz.

In den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts hatte die Firma Burkhardt+Weber in dem mit Wasserkraft betriebenen Anwesen ihre ersten Werkstätten. Die Transmissionsriemen in der alten Sägemühle stammen noch von dieser Firma. Viele Originalteile aus der Entstehungszeit der Sägemühle sind hier ebenfalls noch vorhanden.

Im Jahre 1912 wurde die Sägemühle von Johann Georg Wegst übernommen und modernisiert. Nach dem Bombenangriff 1945 leistete die Sägemühle erneut einen großen Beitrag zur Wiederherstellung der Stadt.

Walter Wegst übernahm nach dem Tod seines Vaters Johann Georg Wegst die Sägemühle. Durch Brandstiftung 1978 wurde die Säge weitgehend zerstört. Walter Wegst baute sie wieder auf und betrieb sie bis zur Geschäftsaufgabe 1984.

Heute sorgt sein Neffe Kurt Wegst dafür, dass an diesem Ort Vergangenheit und Gegenwart weiterhin aufeinander treffen.

Transmissionen unter der Sägemühle                    Kammer für Sägespäne unter der Sägemühle

Text und Fotos: A. Lorenz, 15.10.2008